Rede zum Antrag FDP und Bündnis 90/Die GRÜNEN
Mehr Schulpsychologinnen und Schulpsychologen im Land Brandenburg
Ihr Antrag hat nach unserer Lesart drei Kernaussagen:
- das Verhältnis der Anzahl von Schülerinnen und Schülern pro Schulpsychologin und Schulpsychologen von 1:9.700 auf 1: 5.000 zu verbessern
- den Verwaltungsaufwand zu verringern und
- auch den Anspruch der Schulen in freier Trägerschaft abzusichern
Zur Begründung geben sie an:
- Es wurde festgestellt, die Beratungsfälle werden immer vielfältiger und komplexer.
- Die Übernachfrage an Schulpsychologen führt zu beratungs- und psychotherapeutischen Versorgungsengpässen, was dem hohen psychotherapeutischen Hilfebedarf aller Schulmitglieder entgegen stehe.
- Die schulpsychologische Betreuung muss allen Schulen unabhängig von ihrer Trägerschaft offen stehen.
Wo sind wir uns einig?
In der Notwendigkeit eines Unterstützungssystems für die Kinder und aller an der Bildung und Erziehung Beteiligten in der Schule mit niedrigschwelligen psychologischen Angeboten. Deshalb darf es keinen weiteren Abbau von Stellen in diesem Bereich geben.
Einig sind wir uns auch darin, dass wir zu Gunsten dieser Arbeit nach Möglichkeiten suchen müssen, wie verlässliche Sachbearbeitung erfolgen kann.
Worin sind wir uns aber nicht einig?
Einmal darin, dass therapeutischer Hilfebedarf ausschließlich von Schulpsychologen zu leisten ist.
Einig sind wir uns auch darin nicht, ob ein besseres Verhältnis zwischen Anzahl der Schulpsychologen und Schülerzahl zur notwendigen Veränderungen im System Schule führt, die ein weiteres Ansteigen von psychischen und seelischen Störungen und Erkrankungen verhindert. Handelt es sich hier doch um eine Erscheinung, die nicht nur die Schule sondern alle Bereiche unseres gesellschaftlichen Lebens umfasst. Schauen wir uns den letzten DAK- Gesundheitsreport 2010 an, sind psychische Erkrankungen schon die vierthäufigste Ursache für Krankschreibungen mit 10,8% Anteil an den wichtigsten Krankheitsarten, die zur Arbeitsunfähigkeit im Jahr 2010 führten.
Auch bei Kindern und Jugendlichen gewinnen nach Aussagen der Bundes Psychotherapeutenkammer psychische und psychosomatische Erkrankungen immer mehr an Bedeutung. Auch die Bella Studie zur psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland, die im Rahmen der Gesundheitsberichterstattung des Bundes in den Jahren 2003 bis 2006 eine repräsentative Stichprobe von Kindern und Jugendlichen untersucht hatte kommt nicht zu dieser Erkenntnis. Insgesamt ist jedes 20. Kind oder jeder 20. Jugendliche in Deutschland von einer behandlungsbedürftigen, psychischen Krankheit betroffen und bereits jedes 5. Kind klagt über psychosomatische Beschwerden. Insgesamt sind 18% der Kinder und Jugendlichen auffällig.
Die Ursachen dafür sind vielfältig. Wenn wir also vor allem unseren Kindern helfen wollen müssen wir an diese Ursachen ran und für die akute Hilfe brauchen wir vor allem mehr Kinder- und Jugendpsychotherapeuten und Psychologen mit dieser Spezialrichtung.
Deshalb halten wir die Verbesserung der Schüler- Psychologenrelation zwar für wünschenswert, aber nicht für das vordergründig geeignete Mittel zur Lösung der im Antrag dargestellten Probleme.
Wir sehen hier eher Möglichkeiten der besseren Vernetzung mit bestehenden Strukturen,
Beispiel Projekt mit Jugendhilfe und MUGV
Birgit Wöllert
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